Ein Wasserrad fürs Schulzentrum Ochsenhausen

Dienstag, 10 November 2015.

Ein Wasserrad fürs Schulzentrum Ochsenhausen

Schüler und Lehrer des Gymnasiums Ochsenhausen stellen das Projekt vor - Kosten von rund 55 000 Euro
Von Tobias Rehm

„Die Schüler sollen begreifen, wie man aus Wasser Energie gewinnen kann." Lehrerin Nadja Titze

OCHSENHAUSEN - Das Gymnasium Ochsenhausen plant auf dem Schul­gelände den Bau eines Wasserrads. Seit einem Jahr gibt es die Wasser­rad-AG an der Schule, nach diversen Planungen, Berechnungen und Ver­messungen geht es nun an die Um­setzung. 55 000 Euro soll das Anschauungs-, Lehr- und Prestigeob­jekt kosten. Schüler und Lehrer wa­ren diese Woche in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Tech­nik zu Gast, um das außergewöhnli­che Projekt vorzustellen und um fi­nanzielle Unterstützung seitens der Stadt zu bitten.
Ins Rollen gebracht wurde das Ganze von Gerd Graf, Inhaber der Dinkelmühle Graf in Tannheim. Er wollte wissen, wa­rum das viele Wasser, das am Schulzentrum den Bach herunterfließt , nicht ge­nutzt wird. Aus diesem Denkan­stoß heraus wurde die Wasserrad-AG im Schuljahr 2014/15 gegründet. Da eine solche Arbeitsgemeinschaft nicht alltäglich ist, holte sich das Gymnasium Unterstützung: vom Schüler-Forschungs-Zentrum, von der Hochschule Biberach, von Gerd Graf sowie von Walter Tagmann, ei­nem Wasserradbauer. 

Holz kommt nicht infrage

„Die Schüler sollen begreifen, wie man aus Wasser Energie gewinnen kann", sagt Nadja Titze, die betreu­ende Lehrerin. So fingen die Schüler an Modellwasserräder zu bauen, sie prüften, welcher Standort am bes ten ist und welche Menge Wasser in der Regel den Bach hinunterfließt. Das Wasserrad soll aus Stahl gebaut werden, wie Walter Tagmann erläu­terte. Holz wäre nicht billiger und zudem deutlich wartungsintensiver. „Ein Wasserrad aus Holz hat eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren, länger hält das nicht. Ein Wasserrad aus Stahl hingegen wird einige von uns überleben", erklärte er den Ge­meinderäten. Die gewonnene Ener­gie soll natürlich auch genutzt wer­den - am besten gleich vor Ort. So soll ein Teil des schulischen Strom­verbrauchs durch das Wasserrad ge­deckt werden. Pro Jahr, erklärte Nadja Titze, könnten rund 2800 Eu­ro Stromkosten eingespart werden. Neben diesem Aspekt hob Titze auch hervor, dass die Schü­ler nicht nur am Bau betei­ligt sind, son­dern das Was­serrad als Lehrobjekt auch in den Unterricht mit eingebunden werden soll. „Eine absolut runde Sache", lobte Bürger­meister Andreas Denzel das Projekt. „Meinen höchsten Respekt. Alles wurde bis ins letzte Detail ausgear­beitet."
Dazu gehört auch eine erste Kos­tenberechnung, die von rund 55 000 Euro ausgeht. 500 Euro er­hält die Schule von „energy@school" - einer Initiative der Stiftung Kulturelle Jugendarbeit, des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und der EnBW.Große Hoffnungen werden zu­dem in den mit 100 000 US-Dollar dotierten „Zayed Future Energy Prize 2016" gesetzt, zu dessen Verlei­hung das Ochsenhauser Gymnasi­um am 18. Januar nach Abu Dhabi eingeladen ist. Weiteres Geld soll durch Spenden örtlicher Unterneh­men gesammelt werden, auch Crowdfunding ist angedacht.
Nichtsdestotrotz ist das Gymna­sium auf die Unterstützung der Stadt Ochsenhausen angewiesen. 30000 Euro, so der Vorschlag, sol­len zur Verfügung gestellt werden. Die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Technik entschieden sich einstimmig dafür, dass über diesen Wunsch bei den Bespre­chungen des Haushalts 2016 beraten werden soll.
Das Gremium fand ausschließ­lich lobende Wort für das Projekt. Stellvertretend sagte Karl Wohnhas zu Nadja Titze: „Ein großes Kompli­ment an Sie und Ihre Schüler."

 

Schüler des Gymnasiums Ochsenhausen präsentieren dem Ausschuss für Umwelt und Technik, wie das geplante Wasserrad - hier im Maßstab 1:25 - funktionieren soll. sz-foto: tobias rehm

Schwäbischen Zeitung, 29.10.2015