1. 14 Weißgerberwalkmühle Kolesch Biberach

Befindet sich im Mühlenwinkel zwischen Iller, Rot und Riss

 Weißgerberwalkmühle Kolesch Biberach

Die 1699 erbaute Weißgerberwalkmühle in Biberach ist die älteste und letzte noch aktive Walkmühle mit mehreren Walkhämmern in Deutschland.
Die 1723 gegründete Altsämischgerberei und heute von Jürgen Kolesch betriebene Walkmühle arbeitet ohne Chemikalien.
Neben der Lederbearbeitung werden hier auch Lederhosen und Feinlederwaren hergestellt und vertrieben. Ein Blick auf den Prospekt (siehe Homepage) zeugt von der Vielfalt des Betriebs.
Der Backsteinbau mit Sichtfachwerk am Bleicherbach in der Ehinger Straße (Stadtausgang nach Warthausen) gilt als ein bedeutendes technik- und kulturgeschichtlichen Denkmal in Deutschland.

Das Gerberhandwerk in Biberach kann auf eine sehr lange Tradition zurückblicken. Die ersten schriftlichen Nachweise finden sich bereits um das Jahr 1280. 1710 arbeiteten insgesamt 20 Rot- und Weißgerber in der Stadt (siehe Exkurs), 1734 zählte man fast 70 Gerbermeister. Die Gerbergasse erinnert bis in unsere Tage an das ehemalige Handwerkerviertel.
Interessant ist die damalige Berechnung für die Nutzung des Wassers gewesen, dem sogenannten Pfahlzins. Dieser berechnete sich an der Anzahl der Pfähle, an denen die gegerbten Häute zum Wässern in den Bach gehängt wurden.

Ein Video zeigt anschaulich den Weg vom Fell zum Leder und die Weiterverarbeitung in der Näherei.

Exkurs:
Die Weißgerberei, auch  Mineralgerbung genannt, nutzt zur Gerbung Mineralien wie Alaun oder Kochsalz. Die bleichende Wirkung der Minerale ermöglicht die Herstellung eines sehr hellen (weiß gegerbten) Leders. Hier wurden vorzugsweise die dünneren Leder von Schaf, Ziege oder auch Kalb zu feinen Produkten wie z.B. Handschuhen verarbeitet.
Die sogenannte Sämischgerberei ist dem erstgenannten Verfahren ähnlich. Auch bei diesem, vornehmlich in Skandinavien und dem Baltikum angewandten Verfahren wurden eher dünnere Lederarten bearbeitet. Allerdings wurden hier für den Gerbprozess tierische Fette (Tran vom Fisch, Seehund oder Wal) als Gerbstoff genutzt.

Die Loh- oder Rotgerber bearbeiteten nach dem Entfernen von Fleischresten und Haaren die Felle mit der Lohe, einer aus Eichen- oder Fichtenrinde gewonnen rötlichen Gerbsäure (Tannin).
Der Gerbvorgang selbst fand in sogenannte Lohgruben statt, in denen die Felle Monate oder gar Jahre der Gerbsäure ausgesetzt waren. Neben der Zeit war auch die Menge der Gerbsäure ausschlaggebend für die Qualität und die Festigkeit des Leders. Allerdings mussten bei diesem Verfahren die Felle monatlich umgeschichtet werden.

Mit unterschiedlichen Mitteln und Methoden verfolgten aber alle das gleiche Ziel  -  die Umwandlung tierischer Häute in Leder. Nur das fließende Wasser war für alle dieser Gerber unerlässlich, mussten doch die Häute vor dem Trocknen durch stundenlanges Wässern in Flüssen oder Bächen von der Gerbsäure gereinigt werden. Mit der Verbreitung  der Nutzung der Wasserkraft per Wasserrad haben viele Lohgerber ihren Betrieb mit einer Mühle erweitert und die Gewinnung der Gerbsäure durch das Zerkleinern der Rinde der Wasserkraft überlassen.

Mit dem Einzug der Mechanik und der Nutzung von Metallsalzen erfuhr das Handwerk zu Beginn des 19. Jahrhunderts einschneidende Änderungen und viele der Kleinbetriebe schlossen für immer ihre Pforten.

 

 Weißgerberwalkmühle Kolesch Biberach  Weißgerberwalkmühle Kolesch Biberach  Weißgerberwalkmühle Kolesch Biberach

Ausstattungsmerkmale

Innenbesichtigung nach Absprache